C. F. Gellert und sein kulturhistorisch bedeutsamstes Werk: „Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen"- eine Anleitung zum Briefschreiben

Der Verein „Patronatskirche Kunst und Kultur Wölkau e.V." und die Kulturverwaltung des Landratsamtes Nordsachsen stellen mit einer Artikelserie Wissenswertes über den bekanntesten Dichter der deutschen Aufklärung vor. Im Mittelpunkt steht dabei Gellerts enge Beziehung zur Familie Vitzthum von Eckstädt auf Wölkau und Störmtal. 1995 führte die Kulturverwaltung mit Gellert-Experten und interessierten Gästen eine „Gellert-Ehrung" durch, woraus sich eine kulturell bedeutsame Tradition „Der Gellert-Abend" in Wölkau entwickelte. Seit 2005 zeichnet der Verein „Patronatskirche Kunst und Kultur Wölkau e.V." dafür verantwortlich.

Am 21. und 22. Juni 2014 jährt sich diese Veranstaltung zum zwanzigsten Mal. Ein weiterer Höhepunkt findet im Jahr 2015 zum 300-sten Geburtstag von Christian Fürchtegott Gellert statt.
Die Gemeinde Wölkau und die Leitung des Gellert-Museums Hainichen geben in jeder Hinsicht wertvolle Unterstützung.

Der Briefwechsel in der mittleren Aufklärung, oft auch als 'schriftliches Gespräch' bezeichnet, hatte insbesondere für Gellert eine große Bedeutung. Neben seiner Lehrtätigkeit in Leipzig begann er in den 1740er Jahren eine umfangreiche Korrespondenz, die in vielerlei Hinsicht seine Popularität noch mehr erhöhte. Er war gewillt, seine Korrespondenztätigkeit bis ins hohe Alter fortzusetzen, denn er wusste, dass er mit seinen Briefen den Menschen wertvolle Lebenshilfen gab, ihnen mit Rat, Trost und Fürbitte, mit Ermunterung und Belehrung beistehen konnte.

Im Briefwechsel sah er, ganz im Sinne der Aufklärung, ein didaktisch-pädagogisches Medium zur Vermittlung von moralischen Inhalten und tugendhaften Verhaltensweisen. Aber auch die Schulung der Geschmacksbildung und die Anregung zu einem einwandfreien Schreibstil standen im Zentrum der damaligen Briefkultur. Auf diese Weise gehen die Bereiche der moralischen und der ästhetisch-stilistischen 'Schulung' eng ineinander über, so dass ein guter Briefschreiber gleichzeitig als ein moralischer, tugendhafter Mann galt.

Da es für Gellert immer wichtig war, dass 'man' einen guten Brief schreiben konnte, veröffentlichte er 1751 sein kulturhistorisch bedeutsamstes Werk, den Briefsteller „Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen" als eine Art Anleitung zum Verfassen guter Briefe. Er lehnte darin den schwülstigen und von höfischen Konventionen geprägten Briefstil ab und trat für eine natürliche, für Jedermann verständliche Umgangssprache ein.

Erwähnenswert scheint noch, dass der Briefwechsel, als ein wesentliches Charakteristikum der damaligen Briefkultur, eine öffentliche Bedeutung besaß. Soll heißen, dass das Abschreiben, das öffentliche Vorlesen und Herumreichen von Briefen bei allen erdenklichen Gelegenheiten als völlig normale Handlung galt. 'Briefgeheimnis' im heutigen Verständnis gab es nicht. Dieser Tatsache geschuldet, erlangten einige von Gellerts Korrespondentinnen und einzelne Briefe einen hohen Bekanntheitsgrad, wie z. B. Erdmuth von Schönfeld und Christiane Caroline Lucius, Tochter aus gutem bürgerlichen Hause. Von den Briefen sei „Der Husarenbrief", „Die Fahrt auf der Landkutsche" und „Gellert beim Preußenkönig" zu erwähnen.

Da sie einen vertiefenden Einblick in Gellerts Persönlichkeit geben, gleichzeitig aber auch wichtige Informationen, umgeben von einem gewissen Flair, über die damalige Zeit vermitteln, wird im fünften Teil der Artikelserie genauer darauf eingegangen. Nicht selten regen derartige Briefe zum Schmunzeln an, wie es dem Leser ganz sicher an dem abschließenden Beispiel ergehen wird.

Seit 1754 pflegte Gellert mit Leopold Mozart einen regen Briefkontakt. Da vor allem die Kinder, Wolfgang Amadeus und Nannerl den berühmten Mann kennen lernen wollten, besuchte die Familie auf ihrem Rückweg von ihrer Konzertreise durch Europa Gellert in Zürich. Beeindruckt vom Professor und sicher betrübt von seinem Tod, schrieb der 14-jährige Amadeus am 26. Januar 1770 an seine Schwester: '.... Neues weis ich nichts als das H: gelehrt poet zu leipzig gestorben ist, und dan nach seinen doth keine poesie mehr gemacht hat. ....."

Erdmuth von Schönfeld (alias Stefanie Jentzsch) mit C.F. Gellert (alias Jörg Mass) im Gespräch

Erdmuth von Schönfeld (alias Stefanie Jentzsch) mit C.F. Gellert (alias Jörg Maaß) im Gespräch