C:F. Gellert, Ölbild gemalt von Jörg Kolawski (nach einem Portrait von Anton Graff)Wer war Christian Fürchtegott Gellert?

Christian Gellert (1671–1747) aus Zeitz wird 1695 als Diakon nach Hainichen berufen und übernimmt Jahre später die Pfarrerstelle. Aus seiner Ehe mit Johanna Salome, geb. Schütze (1681–1759) gehen 6 Söhne und 7 Töchter hervor, von denen aber fünf Kinder zeitig sterben und eines tot geboren wird.

Die sieben Geschwister erleben aufgrund der ärmlichen Familienverhältnisse eine harte Kindheit und Jugendzeit. Größere Einschränkungen gewöhnen sie schnell daran, mit dem Nötigsten zurechtzukommen. Doch was der Vater seinen Kindern an materiellen Dingen nicht bieten kann, sucht er durch Bildung auszugleichen. Er schickt Gellert und seine zwei Brüder auf die bekannte Fürstenschule St. Afra in Meißen, wo Gellert zum ersten Mal mit der muttersprachlichen Dichtung in Berührung kommt.

Nach Meißen beginnt er ein Studium der Theologie in Leipzig, besucht aber auch Vorlesungen anderer Disziplinen. Als sein Vater das Studiengeld nicht mehr bezahlen kann, unterbricht Gellert sein Studium, erteilt Privatstunden und betreut junge Adlige.

Seine literarische Schaffensperiode findet in den 40-er Jahren ihren Höhepunkt. Innerhalb kurzer Zeit erzielt Gellert eine beachtliche Breitenwirkung, steigt zum meistgelesenen deutschen Autor auf und trägt entscheidend zur Anerkennung deutscher Literatur im Ausland bei.

1751 wird er zum außerordentlichen Professor für Philosophie an die Leipziger Universität berufen. Es sind weniger seine akademischen Leistungen dafür verantwortlich, als vielmehr sein Ruhm als Fabeldichter und Volksaufklärer. Auch seine Vorlesungen in Moral und Beredsamkeit sind sehr beliebt. So drängen sich zeitweise bis zu 500 Zuhörer aus allen Teilen Europas in Gellerts Vorlesungen. Eine unglaubliche Zahl für damalige Verhältnisse.

Der junge Goethe, der einige Vorlesungen besucht hat, schreibt später über Gellert: "Die Verehrung und Liebe, welche Gellert von allen jungen Leuten genoß, war außerordentlich. Ich hatte ihn schon besucht und war freundlich von ihm aufgenommen worden. Nicht groß von Gestalt, zierlich aber nicht hager, sanfte, eher traurige Augen, eine sehr schöne Stirn, eine nicht übertriebene Habichtsnase, einen feinen Mund, ein gefälliges Oval des Gesichtes; Alles machte seine Gegenwart angenehm und wünschenswert."

Die Beziehung zur Familie Vitzthum von Eckstädt in Wölkau beginnt mit einem Brief der Gräfin, worauf später noch eingegangen wird. Bis zu seinem Tod am 13.12.1769 weilt Gellert aus unterschiedlichen Gründen ca. fünfzehn Mal bei der Grafenfamilie. 1761 beschreibt er das enge Verhältnis zu den Vitzthums so: "Ich gehöre doch auf gewisse Weise zur Familie."

Sabine Sprechert, Vereinsvorsitzende